Bericht Kama-Cup 2011
31.7.11 (mbf) „Werd ich zum Augenblicke sagen – Verweile doch du bist so schön.“
Heißt es in Johann Wolfgang von Goethes Meisterwerk Faust I. Oft denken wir an die Vergangenheit oder befinden uns in Gedanken bereits in der Zukunft. Doch im Hier und jetzt zu leben, den Augenblick zu genießen, das fällt uns nicht immer leicht. Unzählige schöne Augenblicke, die man festhalten konnte, gab es beim Kama-Cup 2011 des Tennisclubs Grün-Weiß Greding, dem traditionellen Gredinger Tennisturnier für die ansässigen Vereine. Und wie immer war der Kama-Cup das absolute Highlight im Tennisjahreskalender des TC Greding: Ein Spitzenfest mit unzähligen schönen Momenten, die man so richtig genießen konnte. Die Stimmung war bombig und einen ganzen Tag lang war wirklich alles geboten, was uns Menschen gut tut: Bewegung in Form von Tennisspielen, Kommunikation mit netten Leuten, Gemeinschaft und Harmonie, gute Laune, Musik, tolles Essen und am Abend ein herrliches Sommerfest. Es passte einfach alles. Spiel, Spaß und Humor standen im Mittelpunkt. Zwar war die Temperatur zum Kicken mitunter etwas kühl, doch die gute Stimmung und die positive Energie der Akteure erzeugten eine elektrisierende Atmosphäre auf der Anlage. Ein Knistern, eine ganz besondere Spannung, lag den ganzen Tag über in der Luft. Hätte man ein Strommessgerät an die TC-Anlage angeschlossen, so hätte es wohl absolute Höchstwerte angezeigt. Die absoluten „Spannungsspitzen“ wären dabei wohl die Spiele am Spätnachmittag sowie die abendlichen Siegerehrung gewesen.
Doch vor der Siegerehrung war zunächst einmal neun Stunden Dauertennis angesagt: 24 Mannschaften mit rund 80 Teilnehmern erprobten sich den ganzen Tag über im Tennissport. Der Zeitplan war für Sportwart und Turnierorganisator Daniel Geyer daher wieder eine wahre Magisterarbeit. Geyer führte wie immer perfekt durchs Turnier und vertraute dabei auf die alten KAMA-Cup Regeln: Gespielt wurde nach dem Daviscup-Prinzip: zwei Einzel und ein Doppel erbrachten einen Spielsieger. Zwar agierten die Spieler entsprechend ehrgeizig, doch war der Leistungsgedanke den ganzen Tag eher sekundär. Entspannt und ausgesprochen fair veriefen daher die gesamten Spiele. Bunt, kurios und vielfarbig dagegen wie immer das Teilnehmerfeld: Kein GV (Kein Gredinger Verein), Sportfreunde Kaising, Burgbad-Schläger-Truppe“, SCKU, Die Schlagfertigen, Athenus, die Raiffis oder die Filzbalikonen sind nur ein Auszug vom breiten Namensrepertoire.
Den Stempel drückte dem Turnier natürlich wieder ein Name auf – er stellte mit sage und schreibe acht Mannschaften nahezu ein Drittel der Turnierteilnehmer. Die „FSG“ – Abkürzung für Fuchsschwanzgang, der Stammtisch des Gasthauses Haas, bewies wie schon beim Vorjahressieg seine sportlichen Qualitäten. Ein Team scheiterte immerhin erst im Halbfinale. Zudem sorgte die FSG auf der Anlage für eine Bombenstimmung. Mit vier „Kuriositäten aus der Welt des Sports“ setzte man diesmal noch mal einen Drauf: Torschrei anno 54 , Tennisstraddle, Fanblock und copa caputto waren unterhaltsame Randgeschichten: „Torschrei anno 54“: Schäfer nach innen geflankt - Kopfball - abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt – „Tor! Tor! Tor!“ Mit dem Torschrei von Ben-Tesche bei gewonnen Punkten der FSG, fühlte man sich an Herbert Zimmermanns Torjubel im Berner Wankdorfstadion beim deutschen Sieg gegen Ungarn zurückerinnert. „Tennisstraddle“: das bedeutet einbeiniges Abspringen und sich dabei übers Netz wickeln. Diese Hochsprungtechnik aus dem ehemaligen Ostblock wurde von der Fuchsschwanzgang eindrucksvoll dokumentiert und im Doppel erfolgreich angewendet. „Fanblock“ – die fußballähnliche Fankurve der FSG Kurve hätte sogar der Liverpooler Anfield-Road Konkurrenz manchen könne. Copa caputto (kaputter Pokal): Wie bei den königlichen von Real-Madrid bei der Copa del Rey war der FSG der Pokal nämlich wieder beim Feiern kaputt gegangen. Der Übeltäter – bei den Spaniern war es Sergio Ramos – konnte trotz intensiver Vernehmungen nicht vermittelt werden. Die Fuchsschwanzgang ersetzte den kaputten Pott einfach durch einen neues, noch etwas größeres Teil.
Einen Pokal für ihre tollen Leistungen hätten mit Sicherheit der Schützenstammtisch aus Höbing verdient gehabt. Dominik Wurm und Wolfgang Seitz spielten ein tolles Turnier und landeten bei ihrer Kama-Cup Premiere auf einem beachtlichen sechsten Platz. Das sichere Spiel von Wurm und der gefühlvoller Rückhandslice von Seitz waren eigentlich schon medenspieltauglich. Stark auch der Turnierauftritt des TSV Tischtennis Teams: Werner Hoffmann und Jürgen Löchl – vor ein paar Wochen beim Iron-Man noch im Wasser und auf dem Rad bewiesen auch mit dem Tennisschläger ihr Talent. Hoffmann wurde gar zum besten Spieler gewählt und blieb das ganze Turnier über mit einer weißen Weste. Extrem konstant auch der Sieger im Damenbereich, die RAIBA-Mädels. Claudia Löchl und Sabine Würdemann wurden beide zur besten Spielerinn gewählt. Sie ihren Gegnern in Sachen Spieltechnik und Taktik um das entsprechende Quentchen überlegen.
„Neues aus der Taktikkiste“ – das war für die Tennisexperten im TC den ganzen Tag über zu beobachten. Interessant wie immer die verschiedenen Spielideen der Kama-Cup Kicker: So wurde das einzel zumeist von der Grundline gespielt. Ein Kicker griff gar auf Mittel aus der Wiege der Menschheit zurück: Wie der Homo-Sapiens in der afrikanischen Savanne ging er komplett barfuß an den Start und erwies sich dabei als spritziger Steppenläufer. Die Renaissance des Stoppballs: Ein gefühlvoller Stopp, ein klassischer „Eierball“, fränkisch auch „Ratz“ genannt, brachte oft einen leichteren Punktgewinn als ein mörderischer Gewaltschlag. Besonders im Doppel waren sämtliche taktischen Variationen zu erkennen: Klassische Aufstellung, Australischer Formation, Grundlinie oder der organisierte Zufall wurden eingesetzt – alles war erlaubt und wurde ausprobiert wenn es dem Erfolg diente. Möglicherweise werden einige Varianten des Kama-Cups demnächst Einzug in die neuen Tennislehrbücher schaffen.
Absolut lehrbuchreifes Tennis sah man dann in den Finalspielen. Doch leider hatte der Tennisgott den „Tor-Tor-Tor“ Schrei von Ben-Tesche falsch verstanden: denn pünktlich zum Finale gab dann echtes Fritz-Walter-Wetter wie anno 54: fieser Nieselregen. Viele Zuschauer gingen daher ins Trockene oder nach hause in die warme Badewanne. Der Finalauftritt des „Roger Federer des Kama-Cups“ fand daher leider fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt: Volker Pfindel von den Filzballikonen zeigte im Endspiel einmal mehr sein Können und holte sich zusammen mit seinem nicht minder schwächeren Partner Robert Wolfrum zum weiderholten male den Turniersieg. Im Finale der A-Gruppe machten die Filzballikonen gegen den KGV kurzen Prozess und gewann das Endspiel dann mit 3:0 gegen Josef und Stefan Rupp, die auch im Vorjahr schon im Endspiel standen. Sieger bei den den Damen wurden die Raiffis vor den FSG Meudlas.
Die Protagonisten der Finalspiele sah man dann ein paar Stunden auf der Bühne zur Siegerehrung. Die Siegerehrung hatte mit dem Auftritt von Gredings Bürgermeister Manfred Preischl mit Schwarzachkönigin Franziska Streb sowie Burgkama-Geschäftsführer Robert Kratzer einen entsprechend würdigen Rahmen. Erster Vorstand Christian Hobauer und Sportwart Daniel Geyer lobten das tolle Tunrier. Nach der Verleihung der Pokale ging es dann weiter mit gemütlichem Beisammensein. Erstmals eingeweiht wurde hier die neue Clubheimbar in der neugebauten Garage. So mancher hatte zu später dann die Idee, diese zukünftig nur für Feierzwecke zu verwenden und Netze, Bälle etc. wieder anderweitig zu verstauen. Mit einer schönen Party klang ein schöner Abend dann aus. Und so mancher erinnerte sich zu später Stunde dann noch einmal an den Satz des berühmtesten Deutschen Dichters: „Werd ich zum Augenblicke sagen – Verweile doch du bist so schön.“
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