Bericht Jugendturnier
20.6.11 (mbf) Mondlicht, totenstille - tief geht es durch den finstren Nadelwald.
Ein Lichtschein ist zu sehen. Jetzt steht es da, strohbedeckt aus Stein: das kleine unheimliche Hexenhaus: Eine Tür knarrt laut, sprudelnde Gefäße in den Regalen, ein Backofen in der Ecke. Dämpfe steigen auf, der Kupferkessel brennt schon. Der Hexemeister spricht seinen Spruch, denn jetzt wird er gebraut: der Zaubertrank. Ein Kräutergemisch der schärfsten Sorte, dazu noch ein wilder Zauberspruch. So liest man es im Märchen vergangener Tage.
Es ist taghell, Wald ist keiner zu sehen, im Hintergrund nur dezente Autobahngeräusche - ein Clubheim mit Tennisgelände in Greding an der Badstraße – und hier wird er gerade gebraut: Der Zaubertrank für das Gredinger Jugendranglistenturnier. Nach und nach werden die Zutaten in den imaginären Topf geworfen, denn die Erfolgsformel steht seit Jahren. Der Trank wird heuer zum dreizehnten male gebraut, Jahr für Jahr ist das Rezept optimiert worden. Die Zutaten stehen bereit, sind fein säuberlich aufgestapelt, nichts darf vergessen werden. Nach und nach geben die Turnierleiter diese langsam und sorgsam in den imaginären Kupferkessel.
Es sind dies: 298 Bananen, 321 Holzfällersteaks mit Zwiebeln, 372 Flaschen Wasser, 480 Müsliriegel, 540 Bälle, 1240 Griffbänder, 3000 Minuten Dauertennis, 4500 Meter verspannte Tennissaite, 20.000 Aufschläge… Und, und, und. Leider scheint die Turnierleitung diesmal das Pulverchen für das schöne Wetter vergessen zu haben – wiederholte Regenschauer am Samstag sowie starke Windböen bei den Finalspielen: die Wetterkapriolen waren der einzige Makel des Turniers. Ansonsten konnte man das Event wieder als „märchenhaft“ bezeichnen. Ein reibungsloser Ablauf garantierte perfekte Tennisunterhaltung über vier Tage, versüßt wurde das ganze noch durch die absolute Tenniselite mit den Finalspielen am Sonntag – mehr geht nicht!
Dass das dreizehnte Gredinger Jugendranglistenturnier völlig reibungslos verlief, war natürlich wieder der perfekten Planung und Organiation geschuldet: Daniel Geyer, Gert Sorgatz und Peter Miehling hatten ein Top – Turnier aus dem Boden gestampft, an alle Details war gedacht: Die Ausdehnung auf vier Tage garantierte, dass man das Turnier, so Zweiter Vorstand Peter Miehling, weitgehend „tiefenentspannt“ managen konnte. Der Besaitungsservice mit Schuhvertrieb von Vereinstrainer Zdenek Hlavacek, der Shuttleservice mit Georgios Fotopoulos nach Kinding, sowie die perfekte Verpflegung, organisiert von Anette Metzner und Carmen Hackner rundeten das „Rundumsorglospaket“ ab. Das Steak mit Zwiebeln war der Renner, Piratensteaks gingen trotz 50 Cent Aufpreis weg wie warme Semmeln. Auf Wunsch wurden die Steaks gar als Doppelpack zur Außenanlage des TC A Kinding transportiert. So mancher kam nur zum Futtern auf die Gredinger Anlage und genoss bei einem schönen Essen die tolle Tennisatmosphäre. „Wertschätzend“ – das trifft die Art des Umgangs an den vier Turniertagen wohl am Besten. Die Teilnehmer und Zuschauer fühlten sich auf der Anlage sichtlich wohl, die ruhige und freundliche Art der Turnierleitung trug dazu ein erhebliches Maß bei. Für jedes Problemchen hatte man ein offenes Ohr. Sätze wie „wir kommen wieder“ oder „ein schönes Turnier“ waren nicht selten zu hören.
Und bei diesen tollen Rahmenbedingungen mussten sich die 178 Akteure dann nur aufs Tennisspielen konzentrieren: Breit aufgestellt war wie immer das Teilnehmerfeld: Von den Spitzenvereinen Mittelfrankens wie Oberbayern war alles vertreten, so dass die komplette Tenniselite Bayerns zugegen war. Weite Anreisen waren keine Seltenheit. Entsprechend kürzer war die „Anfahrt“ für die TC Greding Akteure - man konnte mit Fahrrad oder Tretroller zu den Spielen kommen. Kunterbunt waren die Ergebnisse der TC Spieler: Immerhin konnten Laurin Metzner, Günter Beck und Benedikt Meier zumindest eine Runde gewinnen. Sina Hlavacek und Stefan Beck holten sich in der Nebenrunde der U 10 einen achtbaren dritten Platz und standen damit auf dem Treppchen. Am Besten schnitt erwartungsgemäß Gredings Spitzenspieler Christian Pfaendner ab. In der Altersstufe Nachwuchs männlich gelangte er bis ins Viertelfinale. Erst gegen seinen Vereinskameraden Samuel Sippel, ebenfalls für Nürnberg-Süd startend, zog er in drei Sätzen den Kürzeren.
Wenig neues dagegen beim Spielstil: Lange Grundlinienduelle mit meist crossgezogenen Bällen waren das bewährte Angriffsmuster. Fast alle Spieler verfügen über eine unglaubliche Sicherheit in ihren Schlägen. Mit einer beidhändigen Vor- bzw. Rückhand brachte der an Nummer eins gesetzte Cedric Nitz (TC Pfaffenhofen) das einzige technische Novum ins Spiel. Die Mondduelle der letzten Jahre sind dagegen auch bei den Kleinsten etwas zurückgegangen, worüber sich vor allem die Zeitplanmacher freuten wie die Schneekönige. Wenig Freude dann am Samstag auf: Wegen des Dauerregens musste man in die Hallen Hilpoltstein und Weinsfeld ausweichen. Doch das schlechte Wetter und der Hallenkick brachten auch zwei gute Seiten: auf dem schnellen Boden in Hilpoltstein bekamen die Zuschauer echtes Powertennis zu sehen, was auf Sand in dieser Form wohl kaum möglich gewesen wäre. So mancher Akteur entwickelte sich in der Halle zum echten Knüppler und brachte sein Repertoire an „Gewaltschlägen“ ins Spiel. Am verregneten Samstag erinnerte sich so mancher Zuschauer an seine Lesegewohnheiten: „Ich freue mich wenn es regnet, weil es dann am nächsten Tag wieder schön wird!“ so ein bekanntes Zitat von Till Eulenspiegel.
Und diese schlaue These bestätigte sich am Sonntag dann prompt: Nach drei Regenunterbrechungen am morgen konnte man den Nachmittag bei ordentlichem Wetter komplett durchspielen. Nur der Wind hinderte die Akteure nachhaltig beim Spielen. Wohl auch deshalb erreichten die Finalspiele sicherlich nicht das Top-Niveau vergangener Jahre.
Eine Top-Leistung zeigte einmal mehr Alicia Dinkelmeyer vom 1. FC Nürnberg. Gegen ihre körperlich viel weiter entwickelten Gegner holte sie sich als erst zwölfjährige den Turniertitel. Im Endspiel schlug sie die an Position eins gesetzte Spielerinn dann glatt. Professionalität pur bei Felix Rupp aus Allersberg. Für den 1. FC Nürnberg an den Start gehende Lokalmatador war mit mit der „Bürde“ der magischen LK eins an den Start gegangen. Konzentriertes Abrufen der Leistung, keinerlei Lamentieren über schlechte Witterungsbedingungen und absolute Fairness – das ist echte Tenniselite. Dazu kommen noch perfekte Schläge: Ein Rückhandslice, der so flach über die rote Asche pfeift, wie ein Düsenjet bei der Landung. Crossgezogene Vorhandbälle, so cross, dass man einen Winkelmesser benötigt. Dazu ein Aufschlag, der jede Kuh von der Weide schießen würde: Spitzentennis eben. Rupp gewann die Nachwuchskonkurrenz natürlich souverän.
Sein Pendant, die Hilpoltsteinerin Lisa Noderer stand ihm im Nachwuchs weiblich in nichts nach. Noderer demonstrierte bei ihrem xten Auftritt in Greding, wie ein Talent kontinuierlich aufgebaut worden ist: Jahr für Jahr hat sie sich entsprechend gesteigert und zeigte in Greding nahezu perfektes Tennis. In der Nachwuchskonkurrenz gab sie kaum Spiele ab und siegte auch im Endspiel souverän.
Doch ein Spieler, der hatte es dem Gredinger Publikum ganz besonders angetan - passte er doch überhaupt nicht in das klassische Raster vieler Akteure mit ihrem oft ausrechenbaren und schablonenhafte Spielschema. Der pfiffige und unbekümmerte Stil von Samuel Sippel stach sofort ins Auge. „Ein echter Straßenkicker“ - vor allem seine Lust am Spiel machte riesigen Spaß beim Zuschauen. Sippel konnte mit 13 Jahren einen tollen dritten Platz in der starken Königsklasse U 21 erwerben. Läuft die Entwicklungskurve von Sippel so weiter, so dürfte man in den nächsten Jahren von dem jungen Mann noch einiges hören. Für seine tollen Leistungen fand TC-Vorstand Christian Hobauer besondere Worte. Zusammen mit Turnierleiter Daniel Geyer führte er die Siegerehrung durch, bei der es Urkunden und Sachpreise gab, so dass das Turnier dann am späten abend schloss.
Es ist bereits dunkel, nur der Mond ist zu sehen. Die Sommerluft ist noch lau, der Wind kühlt etwas. An dem kleinen Häuschen an der Badstraße ist es still geworden. Stimmen sind noch zu hären, ein Licht ist zu sehen. Der imaginäre Kessel wird wieder eingepackt und sorgfältig verstaut, erst in einem Jahr kommt er wieder zum Einsatz. Das Märchen geht langsam zu Ende, der Alltag wird spätestens bei der frühmorgendlichen Sonnenstrahl wieder einkehren.
Sieger
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U 10 männlich |
Dennis Hampl (TC Rot-Weiß Poing) |
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U 10 weiblich |
Kim Teckenberg (TB Erlangen) |
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U 12 männlich |
Leonhard Kehrbein (GW Luitopoldpark München) |
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U 12 weiblich |
Sofia Markova (NHTC Nürnberg) |
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U 14 männlich |
Lorenz Kehrbaum (GW Luitopoldpark München) |
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U 14 weiblich |
Alicia Dinkelmeyer (1. FC Nürnberg) |
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U 16 männlich |
Fabian Knüttel (TG Schweinfurt) |
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U 16 weiblich |
Lisa Haas (SV Haimhausen) |
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Damen U 21 |
Lisa Noderer (TSV Altenfurt) |
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Herren U 21 |
Felix Rupp (1. FC Nürnberg) |
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