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Bericht Kama-Cup

19.07.10 (mbf) Der Andrang ist riesig. Schon in den frühen morgen Stunden strömen die Massen herbei. Bunte T-Shirts, wirre Frisuren, und  viele glückliche Gesichter.

Laute Musik scheppert aus den Boxen. Die Atmosphäre ist ausgelassen, ja überschäumend, aber stets friedlich. Das Areal füllt sich, es platzt am späten Nachmittag dann aus allen Nähten. Menschen mit nacktem Oberkörper zwischen braunen Sand. Die Hitze steht. Die elektrisierende Atmosphäre erreicht in den späten Abendstunden dann ihren Höhepunkt. Sternklare Nacht, Blitzlichtgewitter, die Musik erklingt und die einzelnen Protagonisten treten auf die Bühne. Riesiger Beifall brandet auf. Die Menge tobt. Und das Festival geht weiter bis in den frühen Morgen, selbst ein riesiges Gewitter am späten Abend ist kein Hindernis.

Nein, falsch. Wir befinden uns nicht im Jahre 1969 beim legendären Woodstockkonzert. Wir sind im hier und heute – in Greding beim Kama-Cup 2010. Das Gredinger Intervereinsturnier war diesmal so stimmungsvoll und ausgelassen wie selten: Beim KAMA-Cup in seiner sechszehnten Auflage kann man daher getrost von echter „Woodstockatmosphäre“ sprechen – und dieses Prädikat wird bei Veranstaltungen nur sehr selten vergeben. Schon während der tollen Tennisspiele am Nachmittag lag diesmal eine ganz besondere  Atmosphäre über der Anlage, die bei der Siegerehrung dann ihren Höhepunkt erfuhr. Gefeiert wurde, dass sich die Balken bogen. So oft wie diesmal wurde der neue Pott wohl noch selten gehoben und gefüllt.

 

 

Am Vormittag  stand der neue Wanderpokal noch ruhig und friedlich  im Eingangsbereich. Silber-matt funkend, ein Henkelpott von kollossaler Größe – er dürfte den Championsleague-Pokal noch um einiges übertroffen haben. Der Anblick des neuen Pokal setzte wohl bei den immerhin 72 Teilnehmern zusätzliche Energien frei. Mit höchstem Einsatz, mit Spaß an der Sache spielten die 24 Mannschaften, weitgehend Gredinger Vereine und Gruppierungen, Tennis. Zwei Einzel folgten einem Schlussdoppel – bei diesem ging es dann meist um Sieg oder Niederlage. Eine Vorrunde, ein Viertel- und Halbfinale war zu übestehen, bis man im Endspiel stand. Wie immer wurde in drei verschiedenen Gruppen gespielt: A-Gruppe mit den Semiprofis, eine Anfängergruppe sowie die Damenkategorie. Dabei wie immer echte KAMA-Cup Vetereanen. Und da die Zeit bekannterweise nicht stehen bleibt, sah man diesmal viele neue, junge Gesichter auf der Anlage. „Die Chatoen“, „die harmlosen Angeber“, „Weihnachtsmann und CoKG“ – auch in der Namensgebung war man wie immer höchst kreativ. „Wer ist denn diese Fuchsschwanzgang?“ so die Frage eines Zuschauers. Spätestens nach der Vorrundenspielen war auch diese beantwortet: Denn FSG stellte bei ihrem zweiten Turnierauftritt nicht nur die meisten Mannschaften, sondern auch das stimmungsvollste Publikum. Zudem holte man mit den vier gestarteten Mannschaften diesmal zwei Plätze auf dem Treppchen.

Auf diesem traf man sich dann mit zwei Dauersiegern, den Filzballikonen: Das Duo Pfindel/Wolfrum dominiert seit Jahren die A-Gruppe und ist hier nahezu unschlagbar. Eigentlich müssten sie schon längst ein Ticket für die Medenspiele haben, denn auch diesmal holten sie souverän den Titel.  Der starke Motorradclub hatte keine Chance gegen das kongeniale Duo. Doch der MRC stellte dann immerhin den Titel des Damensiegers, mit Sabine Preischl stellte man die beste Turnierspielerinn. Raiba-Mädels, sowie Vorjahres Sieger Kama landeten auf den weiteren Rängen. Das Highlight schlechthin war diesmal die Anfängergruppe, die das größte Feld stellte. Tennisnewcomer mit erstaunlichem Talent im Umgang mit der gelben Filzkugel: zu ihnen gehörte auch Richard Stadler. Sonst ein  Defensivmann mit guter Spieleröffnung bei der DJK Untermässing, zeigte er mit dem deutlich kleineren Ball eine beidhändige crossgeschlagenen Rückhand vom Allerfeinsten. Er kam sah und siegte: Nico Theodorou hatte bei seiner Turnierpremiere nicht nur das auffälligste T-Shirt, sondern wurde zudem noch zum besten Spieler gewählt. Ihm gelangen selbst die schwierigsten Schläge des Tennissports: Aggressives Volleyspiel und ein eingesprungener Schmetterschlag begeisterten die Zuschauer vor allem in den Finalspielen. Begeistert war man auch über das neue Tennisequipment, das man auf der Anlage zu sehen bekam:

Swimming-Pool und Seeräuberfahne waren bereits bekannt, eine Strandmatte auf dem Centre-Court hatte man in dreißig Jahren TC Greding noch nicht gesehen. Auch mit der Spielkleidung ging es diesmal nicht so genau. Weiß war eher ein Außenseiter und wurde von pechschwarz, feuerrot und giftgrün klar ausgebremst. Auch Schuhe waren nicht unbedingt nötig. Vielen Akteure kickten barfuß, was ja angeblich gesund sein soll. Neuheiten auch im Bereich des Tennisehrenkodex: bei Fehlern des Gegners darf beim Kama-Cup geklatscht werden, auch wenn der Gegner den Ball flach ins Netzt schießt. Das hebt die Stimmung, und um die geht es beim Kama-Cup doch letztendlich.

Und die Stimmung so richtig zum Kochen brachte dann der späte Nachmittag: Trötenalarm, Weißbierduschen sowie ein Klosesalto in den Pool – rund um das Endspiel der B-Gruppe ging es dann so richtig ab. Hier hatte sich die FSG 4 mit Nico Theodorou, Julian Sack, Sven Behrendt und Andi Helmbrecht qualifiziert. Sie war von Teamchef Franz Haas jun eigentlich als Kanonenfutter ins Rennen geschickt worden. Der Teamchef lag mit seiner Prognose allerdings völlig daneben. Die FSG  stand man im Finale einem Team mit dem verfänglichem Titel „Kein GV“ gegenüber. Dahinter verbarg sich das Duo „kein Gredinger Verein“, nämlich Josef Rupp und Stefan Rupp. Vater und Sohn spielten ein tolles Turnier, gewannen Runde um Runde und scheiterten erst im Entscheidungsdoppel. Sie erwiesen sich den ganzen Tag über als echte Sportsmänner. In einem hartumkämpften Schlussdoppel bei dem der neue Ehrenkodex gleich mehrmals zum Einsatz kam, setzte sich die  FSG dann knapp durch, was den Stimmungspegel natürlich noch einmal nach oben schraubte.

Und bei der Siegerehrung erreichte die Woodstockatmosphäre dann ihren echten Höhepunkt. Auch wenn aus den Boxen nicht Jimmy Hendrix,  Joe Cocker oder Bob Dylan. Spätestens als der riesige Henkeltopf zur späten Stunde seinen Abnehmer fand, stand das Publikum Kopf. Und er solle angeblich nicht nur einmal geleert worden sein.

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